Wie wird aus meinem PDF-Produktkatalog ein interaktives 3D-Modell im Web?
Nicht alles auf einmal. Sie nehmen ein Produkt, dessen Innenleben Ihre Kunden verstehen müssen, und legen fest, welche Frage das Modell beantworten soll. Dann kommen die Maße aus Ihren Unterlagen in ein Modell, das im Browser läuft. Bei meiner Zahnradpumpe reichten drei öffentliche PDF-Dateien, ohne CAD, und fünf Tage.
Muss ich für jedes Produkt im Katalog ein Modell bauen lassen?
Nein, und ich würde davon abraten. Nicht jedes Produkt im Katalog muss man von innen sehen. Ich würde mit den Produkten anfangen, die Ihr Vertrieb am Telefon immer wieder erklärt. Ein Modell lohnt sich, wenn einer dieser drei Punkte zutrifft:
- Das Produkt hat ein Innenleben. Ein Gehäuse verbirgt, worauf es ankommt: Zahnräder, Dichtungen, den Weg, den ein Medium nimmt. Ein Schnitt im Browser zeigt in Sekunden, wofür ein Datenblatt zwei Seiten braucht.
- Es gibt Varianten, die man vergleichen will. Baugrößen, Werkstoffe, Anschlüsse. Im Modell schaltet man um, statt drei PDF-Dateien nebeneinander zu öffnen.
- Ihr Kunde muss wissen, ob etwas passt oder was es unter Last tut. Dann soll das Modell rechnen und nicht nur drehen.
Bevor jemand ein Maß abliest, steht fest, welche Frage das Modell beantworten soll. Danach richtet sich alles, nicht nach der Optik. Bei meiner Zahnradpumpe zeigt das Modell zum Beispiel, wie das Öl von der Saugseite auf die Druckseite kommt: außen herum in den Zahnlücken, nicht zwischen den Rädern hindurch. Das steht in keiner Tabelle.
Trifft keiner der drei Punkte zu, ist ein gutes Foto ehrlicher und billiger. Bei einem Hotel oder einem Steuerberater ist 3D Dekoration. Mehr dazu im Artikel Wann braucht eine Website 3D, und wann ist es überflüssig?
Welche Unterlagen brauche ich dafür?
Weniger, als die meisten denken. CAD-Datei, Datenblatt, Explosionszeichnung oder Handbuch: Was da ist, reicht meistens. Jede Unterlage liefert etwas anderes.
| Unterlage | Was sie liefert | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| CAD-Datei | Die genaue Form jedes Teils | Für den Browser wird sie vereinfacht und umgewandelt. Fertigungsdetails haben im Web nichts verloren. |
| Maßzeichnung | Außenmaße, Anschlüsse, Abstände | Reicht für die Hülle, nicht für das Innenleben |
| Handbuch oder Wartungsanleitung | Teileliste, Namen der Bauteile, Reihenfolge der Montage | Oft die wertvollste Unterlage, weil sie zeigt, wie das Produkt zusammengeht |
| Datenblatt | Leistungswerte und ihre Grenzen | Daraus werden die Regler und Warnungen eines Modells, das rechnet |
| Produktfoto | Hinweise, wer das Teil wirklich herstellt | Zum Abmessen ungeeignet |
Zur CAD-Datei ein Satz, der oft fehlt: Ein Modell im Browser wird auf den Rechner des Besuchers geladen. Wer sich auskennt, kann die Form dort auslesen. Deshalb gehört in ein Modell fürs Web nur so viel Detail, wie die Frage braucht, und nicht Ihre Konstruktion.
Ein verbreitetes Format für 3D im Web heißt glTF. Die Khronos Group, die es herausgibt, beschreibt es als lizenzfreie Spezifikation, mit der Programme 3D-Szenen und Modelle effizient übertragen und laden. Eine CAD-Datei lässt sich in dieses Format umwandeln.
Quelle: Khronos Group, glTF Overview, abgerufen am 19. Oktober 2026.
Wie läuft das konkret ab?
Ich zeige es an einem Projekt, das ich selbst gebaut habe, ohne Auftrag und ohne Kunden. Ich wollte wissen, wie weit ein Browser geht. Mit den Herstellern habe ich keine Verbindung, ich hatte nur, was öffentlich war.
- Das Datenblatt lesen. Ausgangspunkt war das öffentliche Datenblatt einer Montageübung, G.U.N.T. MT 136, Stand 11.2025. Zwei Seiten Tabellen und ein Foto.
- Den Hersteller hinter dem Produkt finden. Auf dem Gehäuse im Foto stand LIQUIFLO. Vier Werte des Datenblatts passten genau zu einem Modell aus dessen Katalog, der 3-Series 39F: der Anschluss 1 1/4" NPT, 81,4 gegen 80 Liter pro Minute, 6,9 gegen 7 bar und 1750 Umdrehungen pro Minute. Damit kamen zwei weitere öffentliche Unterlagen dazu, eine Maßzeichnung und ein Wartungshandbuch mit Teileliste und Montagereihenfolge. Mein erster Versuch, nur nach dem Foto, hatte die Proportionen an fünf Stellen falsch.
- Jedes Maß mit seiner Quelle bauen. Die ganze Form entsteht im Browser, ohne CAD-Datei. Jede Bemaßung im Code trägt vermerkt, aus welcher der drei Unterlagen sie stammt. Die Zahnräder haben eine echte Evolventen-Verzahnung, sie greifen also so ineinander wie in der echten Pumpe.
- Das Modell rechnen lassen. Drehzahl, Viskosität und Gegendruck sind Regler. Förderstrom, Wirkungsgrad, Antriebsmoment und Wellenleistung werden daraus laufend neu gerechnet. Der Gegendruck geht bewusst bis 9 bar, über die zulässigen 7 hinaus, damit die Warnung auch auslösen kann.
- Die Belege offenlegen. Das letzte Kapitel nennt jede Quelle und jede Annahme, die nicht belegt ist. Ein Kunde, der nachrechnet, soll sehen, welche Zahl vom Hersteller kommt und welche von mir.
Am Ende zerfällt die Pumpe in 18 Baugruppen, die man einzeln anwählen kann. Die 20 Montageschritte des Herstellers laufen vorwärts und rückwärts, und das Gehäuse öffnet sich zu einem beschrifteten Schnitt. Gebaut habe ich sie vom 21. bis 25. August 2026. Probieren Sie es selbst: die Zahnradpumpe im Browser. Wie sie gebaut ist, steht in der Fallstudie Zahnradpumpe.
Macht so ein Modell meine Website langsam?
Es kann. Es muss aber nicht. Entscheidend ist die Reihenfolge: Bevor jemand die Seite berührt, ist sie ein Standbild und Text. Das 3D lädt erst, wenn jemand scrollt, tippt oder die Maus bewegt.
Die Zahnradpumpe hat 137 324 Dreiecke. Vor der ersten Berührung lädt die Seite trotzdem nur 137 KiB am Computer und 116 KiB am Handy. Lighthouse, das Messwerkzeug von Google, gibt ihr live gemessen in jeder Kategorie 100 Punkte. Der größte sichtbare Inhalt steht am Computer nach 0,3 Sekunden, am Handy nach 1,4.
Fragen Sie jeden, der Ihnen ein Modell anbietet, nach genau diesen Zahlen, und zwar am Handy. Wie Sie sie selbst messen, steht im Artikel Wie schnell muss meine Website laden, und wie teste ich das?
Was passiert mit dem Rest meines Katalogs?
Der bleibt erst einmal, wie er ist. Das Datenblatt verschwindet auch nicht: Einkauf und Technik brauchen es als PDF, zum Ablegen und Weiterleiten. Das Modell steht daneben und zeigt, was das Datenblatt nur auflistet.
Eingebaut wird es in Ihre bestehende Website, als Link oder eingebettet. Ein neues System brauchen Sie dafür nicht. Beantwortet das erste Modell die Fragen, die sonst am Telefon landen, wissen Sie, welches Produkt als nächstes dran ist. Wenn nicht, haben Sie ein Modell bezahlt und keinen ganzen Katalog.
Häufige Fragen
Nein. Für meine Zahnradpumpe gab es keine. Ein Datenblatt, eine Maßzeichnung und ein Wartungshandbuch haben gereicht. Eine CAD-Datei hilft, wenn es sie gibt, aber sie ist keine Bedingung.
Was der Browser zeigt, liegt auf dem Rechner des Besuchers, und wer sich auskennt, kann die Form auslesen. Deshalb gehört in ein Modell fürs Web nur so viel Detail, wie die Frage braucht. Ihre Konstruktionsdaten bleiben bei Ihnen.
Nein. Das Datenblatt bleibt als Download, weil Einkauf und Technik es ablegen und weiterleiten. Das Modell steht daneben und zeigt, was das Datenblatt nur auflistet.
Ja, wenn es dafür gebaut ist. Die Zahnradpumpe lädt am Handy vor der ersten Berührung 116 KiB, und der größte sichtbare Inhalt steht nach 1,4 Sekunden. Das 3D kommt erst, wenn jemand die Seite berührt.
Die Zahnradpumpe habe ich vom 21. bis 25. August 2026 gebaut, mit 18 Baugruppen. Ein Produkt mit mehr Teilen oder mehreren Varianten braucht länger. Den Termin sollten Sie schriftlich bekommen, bevor die Arbeit beginnt.
ÜBER DEN AUTOR
Welches Datenblatt erklären Sie am Telefon am öftesten?
Schicken Sie mir genau dieses, dazu die Frage, die Ihre Kunden immer wieder stellen. Ich sage Ihnen ehrlich, ob sich ein Modell lohnt, und wenn nicht, warum nicht. Spätestens in 2 Werktagen haben Sie den Fixpreis schriftlich.