Braucht mein Friseursalon ein Online-Buchungssystem?
Nicht unbedingt. Haben Sie wenige Termine und eine Stammkundschaft, die gern anruft, reicht das Telefon. Online-Buchung lohnt sich, wenn Sie oft mitten im Schneiden abheben müssen oder Anrufe verpassen. Dafür brauchen Sie keine neue Website: Buchungs-Software wie Treatwell gibt es ab 39 Euro im Monat plus Steuer, den Link setzen Sie auf Ihre Seite.
Welche Wege gibt es, Termine anzunehmen?
Sie stehen mit Farbe an den Handschuhen bei einer Kundin, und das Telefon läutet. Genau für diesen Moment gibt es vier Wege. Keiner ist für jeden Salon der richtige.
| Weg | Was es kostet | Der Haken |
|---|---|---|
| Telefon | nichts extra | Sie müssen abheben, auch mit der Schere in der Hand. |
| Anfrageformular auf der eigenen Website | einmal mit der Website, dazu Domain und Hosting | Der Termin steht erst fest, wenn Sie ihn bestätigt haben. |
| Buchungs-Software im Abo, etwa Treatwell Connect oder Shore | Treatwell ab 39 Euro, Shore ab 49,90 Euro im Monat, jeweils plus Steuer | Sie zahlen jeden Monat, solange Sie es nutzen. |
| Marktplatz, etwa der Treatwell Marktplatz | Provision auf die erste Buchung neuer Kundinnen, laut Treatwell 35 % | Neue Kundinnen finden zuerst die Plattform und erst dann Sie. |
Quellen: Treatwell Connect, Preise und Häufige Fragen und Shore, Preise (Deutschland, zzgl. 19 % MwSt.), abgerufen am 26. Oktober 2026.
Wann reicht das Telefon völlig?
Öfter, als die Anbieter von Buchungs-Software es gern hätten. Ein Anruf ist persönlich. Die Kundin sagt dabei, dass sie diesmal nur die Spitzen will oder dass sie erst um halb fünf aus der Arbeit kommt. Ein Formular erfährt das selten.
Aus meiner Sicht brauchen Sie kein System, wenn eines davon auf Sie zutrifft: Sie verpassen kaum Anrufe. Ihr Kalender ist mit Stammkundinnen ohnehin voll, und neue kommen über Empfehlung. Oder jemand am Empfang nimmt die Termine an. Ein Buchungssystem macht einen vollen Kalender nicht voller.
Anders sieht es aus, wenn das Telefon während jeder Färbung läutet, wenn Sie abends eine Liste von Rückrufen abarbeiten oder wenn Kundinnen anrufen, während der Salon zu ist. Dann kostet Sie das Telefon jeden Tag Zeit, und manche Kundin ruft ein zweites Mal gar nicht mehr an.
Mein Tipp vor jeder Entscheidung: Führen Sie eine Woche lang eine Strichliste neben der Kassa. Ein Strich für jeden Anruf, den Sie nicht annehmen konnten. Danach wissen Sie, worüber Sie reden.
Terminanfrage oder Sofortbuchung: was passt besser?
Bei der Sofortbuchung sucht sich die Kundin eine freie Zeit aus, und der Termin steht. Kein Rückruf, kein Hin und Her. Das funktioniert aber nur, wenn der Kalender stimmt. Wer einen Termin am Telefon annimmt und ihn erst am Abend einträgt, riskiert eine Doppelbuchung. Und das System muss wissen, dass eine Balayage länger dauert als ein Nachschnitt.
Bei der Terminanfrage wählt die Kundin einen Wunschtermin, und Sie bestätigen ihn. Sie behalten den Tag in der Hand: Sie sehen, wer kommt, bevor die Zeit vergeben ist, und können einen langen Termin dorthin legen, wo er passt. Der Preis dafür ist ein Schritt mehr. Die Kundin wartet auf Ihre Antwort, und Sie müssen antworten.
Gegen Kundinnen, die nicht erscheinen, hilft eine Anzahlung beim Buchen. Treatwell bietet Online-Vorauszahlung an und verrechnet dafür laut eigener Preisseite 2 % Gebühr. Ob sich das bei Ihnen lohnt, hängt daran, wie oft jemand wirklich nicht kommt. Auch das sagt Ihnen eine Strichliste.
Meine Demo-Seite Atelier Mia arbeitet mit Anfrage und Bestätigung. Die Kundin wählt eine Leistung, einen Tag im Kalender (sonntags ist zu) und eine Stunde zwischen 9 und 19 Uhr. Belegte Zeiten sind ausgegraut; in der Demo sind sie gespielt, weil hinter Atelier Mia kein echter Salon steht. Dann trägt sie Name und Telefonnummer ein und schickt ab. Gibt sie eine E-Mail-Adresse an, bekommt sie sofort eine Mail „Dein Terminwunsch im Atelier Mia“ mit Leistung, Datum und Uhrzeit, und dazu den Satz, dass sich der Salon kurz zur Bestätigung meldet. Der Salon bekommt eine Mail mit allen Angaben. Die Mail an die Kundin kommt in der Sprache, in der sie die Seite gelesen hat: Deutsch, Englisch, Italienisch oder Französisch. Probieren Sie es ruhig aus, es wird kein echter Termin gebucht.
Wann ist eine Buchungs-Software im Abo die bessere Wahl?
Wenn Sie schnell starten wollen und mehrere Leute im Salon arbeiten, jede mit eigenem Kalender. Bei Treatwell Connect kostet der Tarif Starter 39 Euro im Monat, Advanced 49 Euro plus 7,50 Euro TSE-Gebühr. Bei Advanced sind laut Treatwell unbegrenzt viele Teammitglieder ohne Aufpreis dabei. Shore verlangt auf seiner deutschen Preisseite für das Paket Booking 59,90 Euro im Monat oder 49,90 Euro bei jährlicher Zahlung, mit Marketing 79,90 beziehungsweise 69,90 Euro. Alle Preise verstehen sich plus Steuer.
Dafür brauchen Sie mich nicht. Sie melden sich an, richten Leistungen und Zeiten ein und setzen den Buchungsknopf auf Ihre bestehende Website oder in Ihr Instagram. Treatwell schreibt dazu ausdrücklich, dass für Buchungen über diesen Knopf keine Provision anfällt.
Zum Vergleich mein eigenes Angebot: Die fertige Salon-Seite Atelier Mia kostet 1.190 Euro einmalig, mit Online-Buchung und eigenem Kalender im Hintergrund. Die Betreuung um 49 Euro im Monat ist freiwillig, bei einem Buchungssystem aber sinnvoll. Mit Betreuung zahlen Sie also jeden Monat mehr als für Treatwell Starter, dazu kommt der Kaufpreis. Was Sie dafür bekommen, ist eine Website, die Ihnen gehört, statt einer Buchungsseite bei einem Anbieter. Wie man Kauf und Abo ehrlich gegeneinander rechnet, steht im Artikel Kann ich eine Website einmalig bezahlen statt monatlich?
Lohnt sich die Provision eines Marktplatzes?
Ein Marktplatz ist mehr als ein Kalender. Leute suchen dort nach einem Salon in ihrer Nähe und buchen direkt. Treatwell nimmt für die erste Buchung einer neuen Kundin, die über den Marktplatz kommt, laut seinen FAQ 35 % Provision, plus Steuer. Auf der Preisseite steht dazu, dass die Neukundenprovision je nach Standort unterschiedlich ist. Fragen Sie also nach Ihrem Satz. Bucht dieselbe Kundin wieder über den Marktplatz, fallen 0 % an.
Ein Rechenbeispiel: Bei einer Färbung um 100 Euro gehen beim ersten Besuch 35 Euro plus Steuer an die Plattform, danach nichts mehr. Bleibt die Kundin jahrelang, ist das ein Werbepreis, den Sie einmal zahlen. Kommt sie nur einmal, war der Termin teuer.
Über die eigene Website zahlen Sie keine Provision. Dafür müssen die Leute Sie erst finden, über Google, über Empfehlung, über Ihr Schild am Geschäft. Ein Marktplatz bringt Ihnen neue Gesichter, die eigene Seite holt die ab, die Sie schon kennen. Viele Salons brauchen nur eines von beidem.
Wie finde ich den richtigen Weg für meinen Salon?
- Wie viele Anrufe verpassen Sie in einer Woche? Kaum welche: Bleiben Sie beim Telefon. Viele: Eine Online-Buchung nimmt Ihnen Arbeit ab.
- Wie viele Kalender gibt es in Ihrem Salon? Arbeiten mehrere Leute mit eigenen Terminen, ist eine Buchungs-Software dafür gebaut.
- Wollen Sie jeden Termin selbst sehen, bevor er fix ist? Dann nehmen Sie eine Terminanfrage statt einer Sofortbuchung.
- Brauchen Sie neue Kundinnen oder nur weniger Telefon? Für neue Kundinnen kann sich ein Marktplatz rechnen. Für weniger Telefon reicht eine Buchung auf Ihrer eigenen Seite.
Wenn Sie nur weniger telefonieren wollen, können Sie heute ein Abo abschließen und den Link auf Ihre Seite setzen. Dafür brauchen Sie niemanden.
Häufige Fragen
Treatwell Connect kostet 39 oder 49 Euro im Monat, Shore laut deutscher Preisseite ab 49,90 Euro im Monat bei Jahreszahlung, jeweils plus Mehrwertsteuer. Ein Anfrageformular auf der eigenen Website zahlen Sie einmal mit der Seite, dazu kommen Domain und Hosting.
Nein. Provision fällt laut Treatwell nur auf die erste Buchung einer neuen Kundin über den Marktplatz an, in den FAQ mit 35 % angegeben und je nach Standort unterschiedlich. Folgebuchungen über den Marktplatz und Buchungen über den Knopf auf Ihrer eigenen Website kosten keine Provision.
Sofortbuchung spart den Rückruf, setzt aber einen Kalender voraus, in dem jeder Telefontermin sofort eingetragen ist. Bei der Anfrage bestätigen Sie selbst und behalten den Tag in der Hand. Die Kundin wartet dafür kurz auf Ihre Antwort.
Nein. Treatwell zum Beispiel bietet einen Buchungsknopf, den Sie auf Ihre bestehende Website oder in Social Media setzen. Eine neue Seite lohnt sich erst, wenn die alte auch sonst nicht mehr passt.
Wenn Sie kaum Anrufe verpassen, Ihr Kalender mit Stammkundinnen ohnehin voll ist oder jemand am Empfang die Termine annimmt. Dann kostet ein System Geld und ändert wenig.
ÜBER DEN AUTOR
Unsicher, welcher Weg zu Ihrem Salon passt?
Schreiben Sie mir, wie Sie heute Termine annehmen und wie viele Leute bei Ihnen schneiden. Ich sage Ihnen ehrlich, ob Telefon, Abo oder eigene Seite passt. Spätestens in 2 Werktagen haben Sie den Fixpreis schriftlich.